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Wie schreibt man für WEISSBLECH Comics?!

Der Verleger Tutorials fürs Comiczeichnen gibt es wie Sand am Meer - daher will ich mich an dieser Stelle gar nicht groß darüber auslassen.

Was die Geschichten betrifft, so bin ich eigen, denn da Comics ein erzählendes Medium sind, nützen manchmal die besten Zeichnungen nichts, wenn die Story nichts taugt... oder wenn diese schlecht erzählt ist.

Deshalb habe ich eine Reihe von Tipps zusammengestellt, mit deren Hilfe man eine Reihe von Fehlern vermeiden kann und mit denen man eine Story im Weissblech-Stil schreiben kann.
Auf die Gefahr hin, dass mich ein paar andere Profi-Texter wüst anfeinden, habe ich an dieser Stelle auch mit ein paar Sachen aufgeräumt, die sich im Laufe der letzten zwanzig Jahre in die Erzählweise der Comics eingeschlichen haben. Zwar sind diese Stilmittel bei der engeren Comicszene recht angesagt, aber je weiter man sich aus dem Ghetto herauswagt, desto weniger werden diese verstanden.
Manche von ihnen sind für längere Geschichten durchaus geeignet, allerdings, und das will ich hier klarstellen, geht es bei diesem Text darum, wie man KURZGESCHICHTEN schreibt, also solche, deren Länge ungefähr von 4 Seiten bis maximal 15 Seiten reicht.
Ich habe diesen Text so heruntergeschrieben, wenn jemandem die Ordnung nicht ganz klar ist oder ein wichtiger Punkt fehlt, ich freue mich über Anregungen!
Ich werde diesen Text zukünftig erweitern und mit Bildbeispielen versehen!

Der Leser

Wer professionell an einem Medium arbeiten will, muss sich erst einmal verinnerlichen, für wen er seine Arbeit macht. In unserem Falle ist das der Leser!
Im wesentlichen gibt es zwei Arten von Lesern: den spezialisierten Comicnerd und denjenigen, der Comics zur Unterhaltung liest.
Einer der Gründe für das beständige Schrumpfen des Comicmarktes ist der, das die meisten Comics heute für den Nerd gemacht werden - dieser ist übersättigt und giert nach neuen Thrills, dazu verfügt er über die Fähigkeit, eine ganze Reihe von Stilmitteln und Eindrücken zu dechiffrieren, da er eben über ein großes Repertoire an "Comicausdrucksweisen" verfügt. Comicnerds und Fachpresse lieben eben die Comics, die für sie gemacht sind, ob es nun welche sind, die besonders viel quirlige Action, mediale Anspielungen, komplexe Charakterkonstellationen oder die angenehm-kulturmasochistische Leichtigkeit eines Fassbinderfilmabends haben.
Leider ist diese Gruppe nicht eben gross, weshalb wir unsere Sachen für die zweite Gruppe machen. Ich selbst zähle mich zu dieser zweiten Gruppe, auch wenn ich docht recht viele Hefte habe. Meine Anforderungen an ein Comic sind andere: ich möchte angenehm unterhalten werden. Mein Ziel ist es nicht, mich am Samstagnachmittag mit anderen Nerds im Comicladen über die Beziehungskisten in der JLA zu unterhalten, und ich möchte mich auch nicht durch ein schlecht gemachtes Walfängercomic an die Schlechtigkeit der Welt erinnert fühlen. Dazu habe ich in meinem Leben schon genug Ärger, und ich denke, ich bin damit nicht allein. Das heisst keineswegs, das Leser Nummer 2 weniger intellektuell begabt ist; unkomplizierte Unterhaltung heisst nicht platter Blödsinn, im Gegenteil!
Das Produkt muss dem Leser Spass machen!
Kurzum: Weissblech Comics produziert Unterhaltung - wem das nicht aussagekräftig genug ist, den bitte ich, sich eines unserer aktuellen Hefte zu besorgen, und zu gucken, was wir eigentlich machen, bevor er uns seine Sachen zukommen lässt! Aber Achtung: es steckt mehr drin, als vordergründig zu sehen ist!

Schreiben für Weissblech Comics

Wer Geschichten für uns schreiben will, muss sich mit diesen in unser Themen- und Formenspektrum einfügen. Um diese zu erkennen, noch einmal die Empfehlung: guckt Euch ein aktuelles Heft an! Aber hütet Euch davor, zu denken, es sei alles Blödsinn, weil die Sprüche reisserisch, die Monster grün und die Heldinnen nackt sind... die vielfach erwähnte Selbstironie ist fein gewoben, und darf nicht mit dem Holzhammer daherkommen.
Unsere Themenspektren umfassen im Moment Horrorgeschichten (bitte kein Splatter!) und auf irgendeine Art fantastische Erotikstories.

Die Länge und der Hintergrund

Anfänger neigen dazu, uns komplette Serien mit einem komplexen Figurenuniversum anzubieten, vorzugsweise in irgendwelchen Fantasy-oder Sciencefictionwelten. Lasst das bleiben, Leute, Ihr seid nicht Tolkien und wir haben auch nicht das Geld, um Mammutwerke zu verlegen, und meistenfalls passt es auch kein Stück in unser Programm. Das ist nicht so, weil WC ein kleiner Verlag ist, ich garantiere dafür, das auch die größeren mit sowas wenig anfangen können.
Am besten lassen sich bei uns Kurzgeschichten von 4 - 8 Seiten anbringen, ungern länger.
Das eine Geschichte kurz ist, darf nicht heissen, das wenig drin ist!
Komprimieren heisst das Zauberwort - aus diesem Grund sollte man gerafft erzählen und einige erzählerische Mittel lieber nicht benutzen. Im folgenden gehe ich näher darauf ein!

Artwork

Liebe Texter - überlasst das Artwork und die Komposition am besten den Künstlern. Passt aber auf, das sie Eure Erzählstruktur nicht versauen!
Und: eine Skizze, und sei sie noch so krakelig, erspart einen Haufen Schrift! Lieber skizzieren als beschreiben, für viele Zeichner ist das einfacher zu verstehen!
Außerdem fallen Mängel in Verteilung und Text so besser auf!

Seitenaufbau

Zoom
Unspektakulär, aber übersichtlich - der klassische 3x2 Seitenaufbau!
Mit Seitenaufbau bezeichne ich hier die Kästchenanordnung:
Dazu nur soviel: natürlich ist es eine Freude, möglichst aufregende Panelgestaltung und spektakuläre Seitenaufteilungen zu verwenden, am besten formatsprengend.
Was Leserführung und Lesefluss, aber auch die Aufmerksamkeit in Bezug auf das eigentliche Artwork betrifft, ist ein solcher Seitenaufbau ziemliche Kacke. Je einfacher die Seiteneinteilung, desto leichter ist der Comic zu rezipieren - insbesondere für einen ungeübten Leser. Dazu kommt, das formatsprengende Sachen oft problematisch im Druck sind! Zeichner: Informiert Euch vorher über die Abmessungen und den Anschnitt!
ZUr Einteilung: für das Heftformat eignen sich dreizeilige und zweizeilige Seiteneinteilungen, für DIN A 4- Publikationen sind vierzeilige und dreizeilige gut geeignet.
In der Reihenfolge sollte man banalerweise der Leserichtung folgen, Dilletanten behelfen sich da gerne mit Pfeilen, aber das ist eben dilletantisch!
Was die Inhalte der Panels betrifft, hier sollte man gerne etwas aufwendiger werden, also verschiedene Perspektiven etc. gestalten das ganze abwechslungsreicher!

Ein Comic ist kein Film!

Sicher haben Comic und Film eine ganze Menge gemeinsam - trotzdem funktionieren Comics völlig anders. Das hat eine Reihe von offensichtlichen Gründen, die ich hier jetzt nicht einzeln aufführen will. Ich komme gleich zu den "filmischen" Elementen, die manche Zeichner/Autoren verwenden, die aber nur bedingt für das Medium Comic geeignet sind.
Vorher aber ein kurzes Wort an all die Filmschaffenden, die uns ständig ihre krepierten Drehbücher andienen wollen: Leute, lasst das sein!

Filmische Perspektiven ...

sind in Comics total angesagt - und sicher nicht immer verkehrt. Besonders Nachahmungen von filmischen Schnitttechniken sind allerdings entnervend und kein gutes Stilmittel.

Wiederholung und Sequenzen

In Filmen werden Gespräche etc. durch Hin- und Zurückblenden auf die einzelnen Charaktere dargestellt. Im Comic wirkt spätestens die zweite Wiederholung derselben Szene langweilig. Ebenso wie seitenlange Action-Metzel- oder Irgendwasszenen.
Für Kurzgeschichten besonders schlecht sind seitenlange "Stimmungssequenzen", in denen kein Text ist - so etwas kann in längeren Stories gut funktionieren, wir müssen allerdings davon ausgehen, dass die meisten Leser diese Seiten einfach "überlesen"! Warum? Weil kein Text da ist, der sie bremst und auf den Seiten verharren lässt! Denn erschreckenderweise ist auch das beste Artwork beim Comic dem Leser nur einen kurzen Blick wert, kurzum: "Stimmungssequenzen" wirken nicht! Im Film hingegen sind solche Einstellungen wirkungsvoll, der Rezipient hat hier aber auch nicht die Freiheit, über das Tempo selbst zu entscheiden!

Tempo und Text

Das bringt mich direkt zu dem nächsten, wichtigen Punkt: das Tempo einer Geschichte! Wie gesagt, beim Comic kann der Leser über das Tempo selbst entscheiden - wir können ihn allerdings steuern! Genau hier liegt nämlich der Punkt, an dem ein guter Texter sich auszeichnet: das Tempo wird durch den Text gesteuert! Die Grundregel ist einfach: je mehr Text, desto langsamer liest der Leser, und desto länger verharrt er auch bei dem Artwork! Aber Vorsicht: Benutzt man zuviel Text, schlägt der Effekt ins Gegenteil um!
Textwüsten ermüden den Leser schnell, dann überliest er das Geschriebene, verliert den Faden und hört letztendlich auf, die Geschichte zu lesen. Als Faustregel: der Textanteil einer Seite sollte je nach Tempo zwischen 1/4 bis 1/8 betragen. Das klingt viel, aber zum Vergleich: bei den Silver-Age Marvels oder bei ECs beträgt dieser Anteil oft mehr als die Hälfte!
Um das Überlesen zu verhindern, am besten nicht mehr als 25 Wörter in eine Sprechblase bzw. Caption, aber auch den "Condorstil" ("Hallo" "Nein" "Gut!") vermeiden.

Captions und Gedankenblasen

Panel mit Captions
Deskriptive Captions: Der Leser erfährt, was er nicht sehen kann
Weil moderne Autoren oftmals denken, filmisches Erzählen sei voll geil bei Comics, sind sie ebenfalls der Ansicht, Captions und Gedankenblasen seien schlechter Stil, wahrscheinlich weil es so etwas beim Film auch nicht gibt! Na, sollen sie doch Filme schreiben, denn gerade in Captions und in Gedankenblasen liegt einer der Vorteile von Comics, geben sie uns doch die Möglichkeit, langweilige Handlungsteile zusammenzufassen, die Stimmung in den Bildern durch flankierende Beschreibungen von z.B. Gerüchen, Gedanken und Charakterisierungen zu verstärken und einen Einblick in die Gedankenwelt unserer Protagonisten zu haben.
Eine Charakterisierung durch Taten und Worte darzustellen, ist schwer und kommt insbesondere bei Kurzgeschichten nicht immer an! Nicht vergessen: wir haben maximal 10 Seiten, um einen komplexen Sachverhalt darzustellen, warum also keine Captions?! Uns sollte jedes adequate Mittel recht sein!

Dialoge

Dialoge sind das A und O beim Comic! Grundsätzlich gilt: auch wenn ich Captions und Gedankenblasen gerade hochgejubelt habe, wo es passt, sollten Sachverhalte duch Dialoge erklärt werden. Dass das auf eine halbwegs natürliche Art und Weise geschehen sollte, ist jawohl klar!

Soundwords

Soundwords sollte man sparsam einsetzen, bei manchen Stories sind sie sogar überhaupt nicht geeignet - dabei gilt: je ernster eine Geschichte sein soll, desto weniger Soundwords sollte man verwenden, da ihnen immer etwas Lächerliches anhaftet.
Andererseits kann man mit ihnen auch Akzente setzen,aber auch dass funktioniert nur bei sparsamen Einsatz. Und: Gerade ungeübte Leser lieben Soundwords, weil sie so "comichaft" sind.

Zur Geschichte...

Eröffnung

Die Eröffnung einer Kurzgeschichte kann auf zweierlei Art erfolgen: langsam oder schnell! Gerade hier wird viel falsch gemacht, denn aus den Frankobelgiern und aus schlecht gemachten Taschenbüchern hat sich eine eigentümliche Art der Eröffnung eingebürgert, die etwas unentschlossene "Vollreininsgeschehen-Eröffnung". Diese sieht aus wie eine normale Inhaltsseite, ist auch inhaltlich so aufgebaut und der Titel der Geschichte wird irgendwo verschämt versteckt! Beschissen!

Zoom
Schnelle Eröffnung: Ein großes Panel führt in die Situation ein, komplett mit Ort, ungefährer Zeit und Wetter...
Die langsame Eröffnung ist so etwas wie ein Prolog - also eine Seite vor dem eigentlichen Anfang der Geschichte. Manchmal ergibt das eine schöne Stimmung und funktioniert sehr gut, insgesamt ist diese Art der Eröffnung für Kurzgeschichten eher problematisch. Das hat drei wesentliche Gründe: Erstens, es braucht relativ viel Platz! Zweitens, es macht die sinnvolle Einordnung ins Heft problematisch (Links- oder rechtsbündig?!), Drittens, wo ein Prolog ist, sollte auch ein Epilog sein.
Bei manchen Geschichten funktioniert diese Art der Eröffnung wunderbar, insbesondere bei welchen, die etwas unlinear angelegt sind. Dann aber bitte den Prolog und den Epilog als solche kennzeichnen. Es klingt blöde, aber das muss sein, damit der Leser auch gleich merkt, das eine neue Geschichte anfängt.

Die schnelle Eröffnung ist im wesentlichen ein Splashpanel, in dem eine Situation erzählt wird, von der die Geschichte wie auch immer ausgeht. Es sollte auch bei kürzeren Stories mindestens die halbe Seite umfassen, mit Captions die die Grundsituation erläutern. Viele Autoren verlassen sich hier zu sehr auf den Zeichner - aber ob ein paar Teile Schrott und ein oller Zaun Teile einer postatomaren Szenerie oder nur eine wilde Müllkippe sind, erschliesst sich nicht auf Anhieb.
Der Titel kann gerne in klotziger Schrift über die ganze Länge der Seite prangen - das kracht und weckt Interesse, insbesondere wenn er auch noch interessant ist!

Der Titel

Der Titel sollte kurz und bündig sein, vielleicht etwas prophetisch und bedeutungsschwanger. "Die Axt" klingt besser als "Der Typ, der mit nem Beil rumlief"! Anglizismen unbedingt vermeiden! Nichts ist dämlicher als schlechte Anglizismen in Titeln!
An die Zeichner: Arbeitet den Titel mit der Hand aus, nicht mit einem Computerfont! Das wirkt bedeutend lebendiger!

Gags

Vorsicht mit Gags! Nichts kann eine Story mehr versauen als schlechte Witze!
Dazu gehören vor allem solche, die man irgendwo abgeguckt hat, oder solche, die der Stimmung schaden, indem sie unpassend oder platt sind. Ich hasse platte Gags, aber ganz besonders schlimm sind:

- Anachronismen! Wenn Ihr ein Historischen Comic macht, lasst moderne Sachen aus dem Spiel! Es kommt weit besser, etwas realistisch darzustellen!
Der Steinzeitsupermarkt ist seit den 60gern nicht mehr lustig!

- Anspielungen auf bekannte Comicfiguren. Am besten versteckt in einer Menschenmenge...ächz!

- plumpe Sexwitze mit Pimmeln etc.

Andere Sachen, die nicht gehen

Sachen, die aus Geschmacks- und Vertriebsgründen absolut tabu bei uns sind, gliedern sich in zwei grosse Bereiche: Schlimmes aus Sex und Gewalt!

Bei Sex sind die Grenzen des guten Geschmacks, vor allem aber des Legalen, schnell überschritten. Absolut unmöglich sind Sachen, die etwas mit Kindern, Tieren und Gewalt in Verbindung mit Sex zu tun haben, derlei Dinge sind hierzulande nämlich völlig zu recht verboten.
Nicht lesen möchten wir Geschichten über Vergewaltigungen, sexuelles Erwachen, oder mit frauenfeindlichen (klar, Auslegungssache) Inhalten.

Mit der Gewalt ist es so: kein Splatter, keine Gewalt gegen Kinder. Geht nicht, weil wir eben auch am Bahnhof verkaufen.
Ansonsten: lest das Jugendschutzgesetz selber durch!

Das Ende

Das Ende einer Kurzgeschichte sollte im weitesten Sinne überraschend sein, eine Wendung oder irgendwas haben, was einen Kick gibt.
Wir sind dabei nicht auf eine Überraschung angewiesen, es gibt auch Geschichten, die ruhig auslaufen können - das hängt eben vom Inhalt der Geschichte ab, das möchte ich dem Autoren überlassen!

Hier noch die Top-drei-Enden, die ich bitte nicht sehen möchte:

3. Der Held erwacht und stellt fest, es war alles nur ein Traum!
2. Der Held verwandelt sich selber in das Monster.
1. Es steht in der Zeitung: "Furchtbarer Möder blabla" oder so!